Eine kleine Erinnerung an Macher aus der Frühzeit des “deutschen” Brickfilms in den Jahren 2001-2004, und damit an die Leute, die indirekt mit dazu beigetragen haben, dass es heute so etwas gibt wie das Brickboard und die Steinerei.
Andreas Feix beispielsweise zählte um 2003 mit seinen AMS Productions zu den international anerkanntesten Brickfilmern. Einige seiner Filme, wie der kultverdächtige “Brickhiker’s Guide to the Galaxy” sind noch im Netz aufzuspüren; andere wie der Horrorfilm “Birds” haben den Sprung ins web 2.0 bislang anscheinend nicht geschafft.
Oliver Baetsch alias Olibae hat sich nur kurz dem Filmen bewegter Klicksteine gewidmet, doch dafür bleibende Klassiker geschaffen. Vor allem “Brick Fiction” hat dem Brickfilm nicht nur hierzulande viel Aufmerksamkeit beschert.
Noch einflussreicher – zumindest in Deutschland – waren “Die Helden von Bern” der damaligen Studenten Florian Plag, Martin Seibert und Ingo Dominik Steidl. Wohl kein anderes Werk hat der Brickfilm-Szene im deutschsprachigen Raum bislang mehr Interessierte und Aktive beschert.
Mit Steffen Tröger (Golegos “Totentanz”) und Mario Baumgartner (HP4-Trailer) traten dann 2004/2005 neue Szene-Größen an, die dem Hobby und der Community bis heute viel Engagement widmen.
Kurz nach dem heftigen Regenschauer fasste ich den Entschluss, das muffige Brickfilmstudio zu verlassen. Die letzten Stunden, von Dunkelheit und künstlichem Licht umgeben, dürstete es mich nach dem Wahren, Schönen, Guten. Hinaus tönte es in mir! Hinaus in die Welt, wo die Mädchen rote Schuhe tragen! Ob des unerwarteten Motivationsschubs erhob ich mich. Schmatzend löste sich der bleiche Körper vom alten Zweipunktfünf-Holzstuhl. Schlummernde Staubflocken erwachten zu neuem Leben. Der Boden knarrte. Als ich die grünen Vorhänge zurückzog und durch die verdreckten Fenster blickte, durchfuhr ein stechender Schmerz meine Augen. Wie spät ist es? Wer bin ich? Kafka lächelte mich aus seinen tiefen dunklen Augen an und umschloss mit seinen kalten Fingern sanft meine verspannte Schulter. Er kennt diesen Zustand. Hätte es damals schon das berühmte Klicksteinmaterial gegeben, er wäre sicherlich auch Brickfilmer geworden. Zwischen leeren Bierflaschen, zerkrümelten Chips, Klebesteifenresten, unidentifizierbaren bräunlich-gelben Flecken und einzelnen Legosteinen fand ich schließlich das Hemd. Nun endlich – hinfort. An der Tür angekommen schweifte mein Blick ein letztes mal zurück. Kein Traum. Alles Wirklichkeit. Ich atmete tief ein und ging hinaus in die Welt.
Die Luft war rein gewaschen. Kleine Kinder sprangen fröhlich in Fützen umher. Den danebenstehenden jungen Müttern war dies anscheinend egal. Ein Regenbogen erschien am Himmel. Maßlose Unterhaltung. Für einen Moment umspielte ein Lächeln meine rauen Lippen. Doch ich musste weiter. Getrieben von zutiefst menschlichen Bedürfnissen. Sehnsucht nach Erkenntnis, Bier und Geselligkeit. Das ständige Filmen ließ mich sozial verkümmern. Erste Anzeichen von Autismus machten sich bemerkbar. Menschen schauten komisch oder wechselten die Straßenseite. A. gesteht: Brickfilmen und transzendentale Meditation haben mein Leben gründlich verpfuscht. Halt. Weiter. Nahrung! Durch die Häuserschluchten flanierend blieb mein Blick an einem Schaufenster haften. Eine weitere Sinnestäuschung? Nein, das objektive Auge der mitgeschleppten Kamera bestätigte den anfänglichen Verdacht.

Tatsächlich Lego. Ein anscheinend Geisteskranker hatte sich hier an der Dekoration austoben dürfen. Die Zeit schmolz. Einigen der wenigen Zuschauern wuchsen grüne Pflanzen aus den Köpfen. Zauberer, Ureinwohner, Kosmonauten. Endlich vereint. Fröhlich dem Spiel zwischen Piraten und Soldaten zujubelnd. Flankiert von Grünzeug und Pokalen. Null zu null. Lego-Zen. Weisheit. Plötzlich begriff ich den Sinn des Lebens, des Universums, und des ganzen Rests. Das Licht der Erkenntnis durchströmte sämtliche Chakren. Aus den Fenstern einer weit entfernten Wohnung dröhnte das außergalaktische Gitarrengeschrammel von Jimi Hendrix. Ein vorbeifliegender Spatz zwinkerte mir zu. Gleich würde ich mir beim Koreaner etwas besonderes gönnen. Das war ich der Situation schuldig. Ein schöner Tag.